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"Paletten in die Kirche!"
Zwischen Palmsonntag und Pfingsten 2007 wurde mit über 500 Paletten im Kirchenraum gebaut. Die Palette ist ein praktisches Baumaterial und trägt zugleich eine symbolische Botschaft: Sie ist Zeichen für Globalisierung, für Beweglichkeit, für Normen, Standartisierungen in unserer Gesellschaft... .Mit den Paletten wanderten also auch diese Themen in unseren Kirchenraum.Unsere Paletten waren vielfältig:
-fabrikneu
-weitgereist und gezeichnet mit Spuren aus aller Welt
-exakt genormt
-aus der Norm gefallen und voll von inspirierenden "Fehlern"
Die entstandenen Palettenlanschaften in der Kirche veränderten sich fast täglich. Eines blieb: Die Sprache des Kirchenraums wurde verstärkt.
Um den Altar herum entstand eine Altarlounge:
In jeder Kirche ist der Altar Ort der Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen - eigentlich! Doch normalerweise halten sich Menschen wenig an diesem Ort auf, wenn sie in der Kirche sind. In der Jugendkirche wurde der Altar durch die Palettenlounge zu einem Ort, wo wir uns gerne getroffen haben, um gemeinsam den Tag zu beginnen, um das Brot zu teilen oder einfach zu sitzen, sich auszutauschen, nachzudenken...
Zwischen Empore und Kirchenraum entstand die "Jakobsleiter":
Als die Verbindungstreppe zwischen Empore und Kirchenraum von den Kirchentrojanern gebaut wurde, hatte jemand die Assoziation: das ist wie bei Jakobs Traum (1.Mose 28):"Er sah eine Treppe zwischen Himmel und Erde, darauf gingen Engel auf und nieder".
Immer wieder haben wir unsere Träume mit Kreide auf die Stufen der Treppe geschrieben, die Theatergruppe spielte ihren Traum von der Auferstehung auf dieser Treppe , beim Brotwerkstatttag lagen 30 frische Brote auf dieser verheißungsvollen Treppe, viele Jugendliche haben ihre Performance hier gespielt... .
Kirche ist ein Ort der Träume, der Visionen - also der Verbindung zwischen Himmel und Erde!
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Aus Europaletten und zusammengesuchtem Schrott bauten wir uns in der Kirche kleine Behausungen.
Akkuschrauber surrten, Hammerschläge gemischt mit Rufen wie:" Platz da, Schwertransport!!" wandelten den besinnlichen Kirchenraum in eine Baustelle um. Selbst wer nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst geht, fragte sich, ob das noch zulässig sei.
Dabei bekamen wir beim warming up mit, dass die Situation der frühen Kirche ähnlich ungemütlich war. Jesus war weg..wie sollte es weiter gehen?
"Gehen" war auch bei uns an diesen Tagen ein wichtiges Element. An mehreren Tagen gingen Jugendliche ins nahegelegene Atelier des Bildhauers Thomas Putze, der zeigte, was aus Wegwerfmaterial alles entstehen kann. Aus dem dichten Skulpturenwald des Ateliers wanderten wir hinaus auf das teils trostlose Areal des inneren Nordbahnhofs. Da und dort konnten wir etwas aufsammeln um unsere Hütten "auszuschmücken", ein kaputter Stuhl, ein Stück Rohr, aber auch eine abgebaute Rutsche. Beim Trott über die staubigen Schotterpisten meuterte der eine oder andere..."was sollen wir hier eigentlich?" Manches Gespräch drehte sich auch um die Perspektiven der Schüler nach dem Hauptschulabschluss. Ungewisse Zukunft nicht nur bei den Jüngern damals in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten.
Wie man mit solchen Situationen umgehen kann, konnten wir beispielhaft an den Paletten erfahren. Am Anfang hat man keine Ahnung wie das gehen soll, dann probiert man es aus, erprobt, was Nagel und Schraubverbindungen halten und ist überrascht, wie schnell dann plötzlich eine persönliche Rückzugsburg aus dem lapidaren Zeug entstehet. Noch ein paar Details, etwas Farbe und schon fängt man an, sich richtig wohlzufühlen.
Ein Mädchen nagelte am Schluss des workshops noch einen Wachhund aus Palettenteilen zusammen. Schade, dass er nicht verhindern konnte, dass die Hütten später wieder abgerissen werden mussten.
Was bleibt ist die Erfahrung, dass Kirche etwas Veränderliches ist, weil wir Menschen uns (hoffentlich) verändern.
