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"Flüchtlinge brauchen unabhängige Beratung"

 Gespräche beim Kulturentisch 11

Stuttgart (epd). Mehr Unterstützung für nach Deutschland kommende Flüchtlinge hat der evangelische Asylpfarrer Werner Baumgarten gefordert.

Die Chance, in einem Asylverfahren Erfolg zu haben, ist gering", sagte Baumgarten am Donnerstagabend in der Stuttgarter Martinskirche. Ein großes Problem für Flüchtlinge sei, dass sie nicht wüssten, worauf es bei einem Asylverfahren ankommt, betonte Baumgarten. "Wer sich bei der Prüfung ein Mal verheddert, gilt als unglaubwürdig." 
 
Deshalb müsse es für Flüchtlinge vor dem Aufnahmeverfahren beim Karlsruher Bundesamt für Asyl und Migration eine unabhängige Beratung geben, forderte der Asylpfarrer. Asylsuchende müssten beispielsweise darüber aufgeklärt werden, welche Rechte sie haben, wie sie sich verhalten sollten und wie ein Verfahren abläuft. Diese Aufgabe sollten Wohlfahrtsverbände übernehmen. 
 
"Gerät ein Flüchtling vor dem Verfahren an jemanden, der sich auskennt und ihn berät, hat er gute Chancen im Asylverfahren. Mit einer Beratung vor dem Verfahren gäbe es eine höhere Anerkennungsquote." Bekomme ein Flüchtling aber, wie in den meisten Fällen, keine Unterstützung, gerate das Verfahren zu einem "Lotteriespiel", sagte Baumgarten. 
 
Der Asylpfarrer kritisierte, dass das deutsche Flüchtlingsrecht "nur auf dem Papier" existiere, in der Wirklichkeit aber zu selten angewendet werde. "Es würde unserer Kultur gut tun, wenn wir nicht nur ablehnen, sondern auch aufnehmen. Das wäre für viele Betroffene die Lebensrettung." 
 
Die Realität sieht laut Baumgarten anders aus: Die Flüchtlingsarbeit in Deutschland werde sukzessive zurückgefahren, während in Aufnahmeländern wie Griechenland die Infrastruktur unter dem Zustrom von Flüchtlingen zusammenbreche. Dabei gebe es hierzulande "so viele engagierte Menschen, die sich gut um Flüchtlinge kümmern könnten". 
 
Die Zahl der in Stuttgart unterzubringenden Flüchtlinge sei innerhalb von wenigen Jahren von 10.000 auf jetzt 780 gesunken. Baumgarten und der Stuttgarter Arbeitskreis Asyl fordern, dass die Landeshauptstadt mit Hilfe einer Luftbrücke 100 Tunesier von der überfüllten Mittelmeerinsel Lampedusa aufnimmt. "Das wäre ein Signal", sagte der Asylpfarrer. 
 
Baumgarten sprach beim "Kulturentisch", der im vierten Jahr stattfindet und im Rahmen des Jugendkirchenfestivals von Palmsonntag bis Pfingsten von der Stuttgarter Jugendkirche veranstaltet wird. In der Stuttgarter Martinskirche erzählten Flüchtlinge aus dem Kosovo, dem Libanon, dem Iran, Sri Lanka und Bosnien über ihre Erfahrungen der Flucht und ihr Leben in Deutschland. 

Evang. Pressedienst (epd)